Funktion des Gekröses (Mesenteriums)

Mesenterium – an diesen Begriff sollten wir uns schon einmal gewöhnen, denn mit Sicherheit wird nicht nur die wissenschaftliche Welt in der kommenden Zeit noch einiges von diesem neu erkannten Organ hören. Mit diesem Fund verbinden Forscher und Mediziner nicht zuletzt auch Hoffnungen auf neue Erkenntnisse zu verschiedenen bestehenden Erkrankungen sowie gegebenenfalls auf die Entdeckung vollkommen neuer Krankheiten, die bisher aufgrund mangelnder Kenntnisse weder richtig diagnostiziert noch behandelt werden konnten. Ungeachtet des enormen medizinischen Fortschritts im letzten Jahrhundert sind die Ursachen und Entstehungsprozesse vieler Erkrankungen oder Symptomkomplexe bisher unbekannt. Diese können daher nur symptomatisch behandelt und nicht im eigentlichen Sinne geheilt werden.

Welche Funktionen erfüllt das Gekröse (Mesenterium)?

Entgegen der früheren Annahme hat das Mesenterium, das im Deutschen auch den wenig ansprechenden Namen Gekröse trägt, mehr Funktionen als nur die Haltefunktion und wirkt scheinbar mit vielen wichtigen Körperfunktionen zusammen.

Haltefunktion

Die sichtbarste und zugleich trivialste, bereits bekannte Funktion ist die Haltefunktion des Mesenteriums. Auch unsere inneren Organe unterliegen der Schwerkraft. Der Darm würde bei einer aufrechten Körperhaltung – ohne eine gewisse Aufhängung im Bauchraum – sich unten im Beckenbereich sammeln, so dass ein Weitertransport der Nahrung in manchen Positionen beinahe unmöglich wäre. Coffey und O’Leary vermuten sogar, dass die Aufhängung des Darms eine Voraussetzung für den aufrechten Gang des Homo sapiens darstellen könnte.

Vermittlerfunktion

Das Mesenterium befindet sich zwischen Darm und Körper – eine ideale Lage, um eine vermittelnde Funktion einzunehmen. Bisher ist diese Funktion nicht ausreichend untersucht und viele der Studienergebnisse stammen aus Untersuchungen am Tier, jedoch konnte bereits festgestellt werden, dass mesenterielle Zellen Proben von Bakterienbestandteilen nehmen und auch Teile der Immunabwehr regulieren. So steuern sie zum Beispiel die Einwanderung von Zellen des Immunsystems in die Darmschleimhaut, die für die gezielte Abwehr von Fremdstoffen verantwortlich sind. Diese Zellen können sich aber auch gegen Krebszellen richten.

Produktion des C-reaktiven Proteins

Im Mesenterium wird zudem auch das C-reaktive Protein gebildet (CRP), das bestimmte Abwehrmechanismen in Gang setzt und zu den umgangssprachlich bezeichneten „Entzündungswerten“ zählt. Auch bei gesunden Menschen findet man eine gewisse Menge an CRP, wovon ein bedeutender Teil scheinbar vom Mesenterium produziert wird. Das C-reaktive Protein hat Einfluss auf den glykämischen- und den Fettstoffwechsel. „Verfügbare Daten weisen immer mehr darauf hin, dass Vorgänge im Mesenterium bei der Regulation der systemischen fibrinolytischen, Entzüdungs- und Gerinnungskaskaden mitwirken“ (im Original: „Data suggest increasingly that mesenteric events contribute to the regulation of systemic fibrinolytic, inflammatory, and coagulation cascades“).

Ausblick auf die Zukunft

Es wird also mehr und mehr deutlich welch eine wichtige Rolle das Mesenterium nicht nur im Verdauungstrakt, sondern im gesamten Körper spielen könnte. Was wir bisher wissen ist aller Voraussicht nach nur ein ganz geringer Anteil dessen, was in den nächsten Jahren und Jahrzehnten von der Forschung an Erkenntnissen zu erwarten ist. Dies wird mit Sicherheit einen bedeutenden Einfluss auf die zukünftige Therapie einiger Erkrankungen haben, die bisher nicht erfolgreich behandelt werden konnten.